Uglitsch
Fürstenpalate und Kacheln im Kreml, Klöster und Käseherstellung. Uglitsch lässt sich auch abseits des Schiffsanlegers erkunden.
Uglitsch liegt an einem scharfen Knick der Wolga, und das Bemerkenswerteste der Stadt steht gleich am Ufer.
Über das Alter gehen die Angaben auseinander. Die Stadtverwaltung schreibt, Uglitsch erscheine seit 937 in den Chroniken, und setzt hinzu, die Siedlung sei damals so klein gewesen, dass sie auf einen Flecken am Wolgaufer passte. In der Forschung gilt üblicherweise 1148 als Ersterwähnung. Ich nenne beide Zahlen, weil die Stadt selbst die ältere führt.
Der Palast, und ein Bruder in Moskau
Die Fürstenpalate sind der Ausgangspunkt für einen Besuch im Kreml. Ihre Verbindung nach Moskau und die Baugeschichte beschreibe ich im Tagesbericht. Plane den Museumsbesuch vor den weiter entfernten Zielen.
Was sonst auf dem Kreml steht
Die Mauern sind lange fort, der Kreml ist heute eine grüne Halbinsel über dem Fluss. Darauf stehen die Kirche Dimitri auf dem Blut von 1692, die Verklärungskathedrale, das Gebäude der ehemaligen Stadtduma von 1815 und der Bogojawlenski-Sobor von 1827.
Bei der Kathedrale gehen die Angaben auseinander, und das sage ich lieber, als es glattzuziehen: Das Museum führt sie als Bau von 1706, die Stadtverwaltung schreibt, ihr heutiges Aussehen habe sie 1713 bekommen und der Glockenturm daneben sei 1730 fertig geworden. Ihr Saal kommt ohne eine einzige Stütze aus. Die Fresken im Inneren stammen von Jaroslawler Meistern, ähneln in der Bildsprache aber der Renaissance, so die Verwaltung.
An der Stelle der heutigen Kirche Dimitri auf dem Blut starb 1591 der jüngste Sohn Iwans des Schrecklichen, und die Verwaltung datiert den Beginn der Zeit der Wirren auf diesen Tod. Mehr dazu steht im Bericht unten.
Drei Klöster, und eine Kirche, die es zweimal gibt
Die Stadtverwaltung führt drei Klöster mit langer Geschichte: das Woskressenski-, das Alexejewski- und das Bogojawlenski-Kloster.
Das Alexejewski-Kloster gründete der Mönch Adrian 1371 auf einem alten heidnischen Heiligtum. Zuerst hieß es Uspenski, und erst 1439, nach dem Tod des Metropoliten Alexi, bekam es dessen Namen. Das schreibt das Kulturportal des Kulturministeriums.
Dort steht die Uspenski-Kirche von 1628, gebaut zum Gedenken an die Menschen, die 1609 bei der Erstürmung des Klosters umkamen. Über dem Ziegelbau erheben sich drei Zelte, jedes mit einer kleinen Kuppel. Solche Kirchen gibt es in Russland nur zwei; die andere steht in Wjasma. Die Uglitscher nennen ihre seit jeher die Diwnaja, die Wunderbare.
Nebenan kam 1681 die Kirche der Enthauptung Johannes des Täufers dazu, mit fünf Kuppeln aus Dachziegeln. Ihre Vorhalle ist mit farbigen Ofenkacheln geschmückt, und damit ist man beim nächsten Thema.
Vierhundert Ofenkacheln, und ein eigener Stadtweg
Die Kachelsammlung ergänzt den Blick auf die historischen Gebäude. Einzelne Motive und den Museumsweg „Sonnenplättchen“ behandelt der Tagesbericht. Frage bei einer Führung ausdrücklich nach diesem Schwerpunkt.
Käse, und warum ausgerechnet hier
Als Vater des russischen Käsehandwerks gilt Nikolai Wereschtschagin, der Bruder des Schlachtenmalers. Er lernte das Handwerk in der Schweiz und eröffnete 1866 im Dorf Jedimonowo im Gouvernement Twer die erste Genossenschaftskäserei mit angeschlossener Schule. Das schreibt das Uglitscher Käse- und Molkereiwerk in seiner Firmengeschichte.
Nach der Revolution schlossen die Käsegenossenschaften. Wiederaufgebaut wurde das Handwerk 1935 in Uglitsch, und zwar aus einem sehr handfesten Grund: Hier lagen die in Koprino entwickelten Rezepte und die Unterlagen zum Käsehandwerk. Auf Anordnung des Handelsministers Mikojan entstand das Versuchskäsewerk, und mit ihm ein Forschungslabor. Dort wurden die Rezepte für „Sowjetski”, „Jaroslawski”, „Uglitschski” und „Wolschski” entwickelt. 1944 machte der Rat der Volkskommissare aus dem Labor ein Institut, das 1954 auch für Butter zuständig wurde und 1957 ein eigenes Haus bekam.
Die Stadt ist damit einer der Orte, an denen das russische Käsehandwerk Mitte des 19. Jahrhunderts anfing, und der Ort, an dem es nach 1935 wieder aufgebaut wurde. Seit dem 12. März 2024 gibt es auf dem Werksgelände ein Museum-Werk mit laufender Produktionslinie, das für 2025 nach eigener Angabe 34 000 Gäste zählte.
Wasserkraft, und ein Museum zum Anfassen
Gebaut wurde das Uglitscher Wasserkraftwerk ab 1935. Die Stadtverwaltung schreibt, die Anlage habe zu Beginn des Krieges den Betrieb aufgenommen und fünf Jahre lang Moskau mit Strom versorgt. Ihr Baukomplex ist als Kulturdenkmal anerkannt.
Neben dem Kraftwerk, im früheren Verwaltungsgebäude des Wolgolag, sitzt das Museum der Wasserkraft: drei Stockwerke, elf Säle, und laut dem Tourismusdienst der Oblast ausdrücklich ohne Schilder mit „Nicht anfassen”, weil die meisten Stücke genau dafür da sind.
Museen, die Uglitscher selbst aufgemacht haben
Der Tourismusdienst der Oblast zählt vierzehn Museen namentlich auf, darunter eines zur Stadtgeschichte, eines zum Stadtalltag des 19. Jahrhunderts, das Uhrenmuseum des Tschaika-Werks und eine Sammlung ungewöhnlicher Fahrräder. Die Stadtverwaltung schreibt dazu einen Satz, der mehr erklärt als jede Aufzählung: Diese Häuser gibt es aus dem Enthusiasmus der Uglitscher.
Nach Angabe der Verwaltung kommen jährlich über 320 000 Besucher in die Stadt.
Wann und wie
Wenn du mit einem Schiff ankommst, richte den Rundgang nach der tatsächlichen Liegezeit aus. Für die individuelle Anreise prüfe eine Verbindung nach Углич oder die Weiterfahrt aus deiner vorherigen Station. Führungen im Kreml, im Wasserkraftmuseum und bei der Käseproduktion müssen jeweils separat bestätigt werden.
Die Suche und Buchung erläutert der Bahnratgeber.
Uglitscher Museum: Führungsabteilung: muzey.uglich@yarregion.ru. Nenne bei der Anfrage Datum, Personenzahl und gewünschte Ausstellung. Die Kontaktadresse ist nicht automatisch der Treffpunkt einer Führung.
Mehr dazu
Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Uglitsch: Ein Tag im Palast der Brüder. Nach Uglitsch gebracht hat mich die Golden Ring Union, der Kooperationspartner dieser Seite.
Stand dieses Beitrags: 24. August 2026. Quellen, alle russisch: Angaben des Uglitscher Museums zur Kachelabteilung und zum Stadtweg „Sonnenplättchen”, der Aufsatz von Jewgeni Liukonen über die Fürstenpalate, die Stadtgeschichte der Verwaltung des Stadtkreises Uglitsch, das Kulturportal des Kulturministeriums zum Alexejewski-Kloster, der Tourismusdienst der Oblast Jaroslawl zur Stadt und zum Museum der Wasserkraft, die Firmengeschichte des Uglitscher Käse- und Molkereiwerks sowie die Besucherangaben des Museum-Werks. Öffnungszeiten und Preise ändern sich; prüfe sie vor der Fahrt an der Quelle.
Redaktion, Anreisehinweise und Besuchskontakt geprüft am 6. September 2026; Kontaktquelle: russisches Museum beziehungsweise Museumsverzeichnis des Städtebunds. Für unveränderte historische Angaben gilt der oben genannte Quellenstand. Termine beim jeweiligen Veranstalter bestätigen.