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Die Verklärungskathedrale im Kreml von Uglitsch mit grünen Kuppeln und gelbem Glockenturm, davor spiegelt ein Teich das Ensemble

Uglitsch

Der jüngste Zugang zum Goldenen Ring und der Ort, an dem 1591 die Zeit der Wirren begann: ein Kreml ohne Mauern, eine Kirche mit drei Zelten, dazu ein Wasserkraftwerk mit eigenem Museum.

Uglitsch ist der jüngste Zugang zum Ring: Erst 2018 wurde die Stadt offiziell in die Route aufgenommen. Dabei ist sie der Ort, an dem die russische Geschichte einmal gekippt ist. Hier starb 1591 der Zarewitsch Dmitri, und mit diesem Kindstod begann das Rutschen in die Zeit der Wirren.

32.000 Menschen leben heute hier, an einem scharfen Knick der Wolga, gut 200 Kilometer von Moskau. Urkundlich taucht die Stadt 1148 zum ersten Mal auf, fast ein Jahrhundert vor Berlin; die Uglitscher selbst zählen ab 937, das ist aber Überlieferung.

Der Kreml ohne Mauern

Der Kreml ist eine grüne Halbinsel über dem Fluss, und seine Mauern sind lange fort. Was steht, hat es in sich: der Fürstenpalast von 1481, das älteste Haus des Kremls, die blutrote Kirche Dimitri auf dem Blut von 1692 an der Stelle, an der der Zarewitsch starb, und die Verklärungskathedrale von 1706, deren Saal ohne eine einzige Stütze auskommt. Ihr großes Altarfresko der Verklärung wird vor Ort als Kopie nach Raffael geführt, gemalt Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die ganze Geschichte des 15. Mai 1591, samt der Glocke, die für ihr Alarmläuten nach Sibirien verbannt wurde, erzähle ich im Reisebericht unten. Hier nur so viel: Man geht anders über diese Wiese, wenn man sie kennt.

Zwei Klöster, zwei Handschriften

Das Alexejewski-Kloster oben in der Stadt wurde 1371 gegründet. Berühmt ist es für die Uspenski-Kirche von 1628, eine der ersten Steinkirchen nach der Zeit der Wirren: Drei schlanke Zeltdächer stehen nebeneinander wie eine Krone. Die Uglitscher nennen sie seit jeher die Diwnaja, die Wunderbare. Das Kloster ist wieder aktiv, in der Kirche wird Gottesdienst gehalten.

Das Woskressenski-Kloster unten am Wasser ist das Gegenstück: 1674 bis 1677 in einem einzigen Zug gebaut, alle Gebäude in einer Reihe und durch eine Galerie verbunden. Man sieht dem Ensemble an, dass es aus einem Guss ist, und genau das macht es besonders.

Ein Kraftwerk mit eigenem Museum

Die Wolga staut sich vor der Stadt, seit ab 1935 das Uglitscher Wasserkraftwerk gebaut wurde; gearbeitet haben daran zum großen Teil Häftlinge des Wolgolag. Ende 1940 lief die erste Turbine an, und in den Kriegsjahren hielt die Anlage Moskau am Netz, als die Hauptstadt jedes Kilowatt brauchte.

Im historischen Verwaltungsgebäude des Kraftwerks sitzt heute das Museum der Wasserkraft: die Geschichte von Strom und Stauseen, vieles davon zum Anfassen und Ausprobieren, dazu ein echtes Turbinenrad als Exponat. Klingt trocken, ist es nicht; plane eher zwei Stunden ein als eine.

Kleine Museen, eigenes Wasser

Uglitsch hat sich früh auf private Museen verlegt, gut ein Dutzend sind es inzwischen: ein Museum der Gefängniskunst, eines für Mythen und Aberglauben, eines zur Geschichte des russischen Wodkas, eines zum Stadtalltag des 19. Jahrhunderts. Dazu kommt das Uhrenmuseum des Tschaika-Werks, dessen Leipziger Goldmedaille von 1966 im Reisebericht ihren Auftritt hat.

Und die Stadt hat ihr eigenes Wasser: Die Mineralquelle ist seit 1903 erschlossen, abgefüllt wird die „Uglitschskaja” seit den Siebzigern. Auch als Käsestadt macht sich Uglitsch einen Namen, das russische Forschungsinstitut für Butter und Käse sitzt seit Sowjetzeiten hier.

Wann und wie

Mit dem Auto ab Moskau etwa 235 Kilometer über die M8, drei bis vier Stunden; der Direktzug braucht rund sechs Stunden, der Fernbus liegt dazwischen. Die Kreuzfahrtschiffe legen direkt unterhalb des Kremls an.

Mai bis September ist die Saison, dann fahren die Schiffe und die Museen halten die langen Zeiten. Und eine halbe Autostunde entfernt liegt der Pferdehof Troizkoje, der einen eigenen Ausflug lohnt.

Mehr dazu

Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Uglitsch: Ein toter Zarensohn und eine Goldmedaille aus Leipzig. Nach Uglitsch gebracht hat mich die Golden Ring Union, der Kooperationspartner dieser Seite.

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