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Der Rostower Kreml mit der Auferstehungs-Torkirche, dahinter die Uspenski-Kathedrale

Rostow Weliki

Kreml am Nero-See, Glocken und Finift. Für eine Glockenvorführung lohnt sich die Anfrage vor der Anreise.

Es gibt einen Grund, warum man in Rostow Weliki zuerst beim Museum anrufen sollte, bevor man den Zug bucht: Man will die Glocken hören. Und die spielen nicht auf Zuruf.

Das „Weliki“ im Namen ist übrigens verdient. Die Stadt steht schon im Jahr 862 in der Nestorchronik und zählt damit zu den ältesten Städten Russlands. Der Beiname „Weliki“ bedeutet „der Große“.

Ein Kreml, der nie eine Festung war

Der Kreml entstand als Residenz des Metropoliten. Seine Gebäude, der Garten und die Verbindung zum Nero-See bilden den Schwerpunkt des Tagesberichts. Hier kannst du vor allem entscheiden, welche Sammlungen und Vorführungen du zusätzlich einplanst.

Die Glocken

Auf der Glockenwand der Entschlafenskathedrale hängen fünfzehn Glocken, zusammen rund 63 Tonnen, die ältesten aus dem 17. Jahrhundert. Jede hat einen Namen. Die drei großen bilden zusammen einen Dur-Dreiklang:

Glockebenannt nachGewichtTon
Syssoi (1688)dem Vater des Metropolitenrund 32 tC
Polijelei (1682/83)einem liturgischen Gesangrund 16 tE
Lebed, „Schwan“ (1682)ihrem besonders singenden Klangrund 8 tG

Die genannten Töne beruhen auf Messungen des Dorfpriesters Aristarch Israilew von 1884. Sie beschreiben den damaligen Stand; eine aktuelle Messung liegt diesem Beitrag nicht zugrunde.

Für den Syssoi musste eigens ein zusätzlicher Turmteil angebaut werden. Sein Klöppel wiegt etwa anderthalb Tonnen. Damit die Glocke überhaupt anschlägt, laufen zwei Glöckner in ihrem Inneren mit dem Klöppel mit, rund 42 Schläge in der Minute.

Bei stillem Wetter soll man das Läuten zwanzig Kilometer weit hören. Der Syssoi liegt so tief, dass man ihn eher im Brustkorb spürt als im Ohr. Schon Hector Berlioz soll eigens nach Rostow gereist sein, um die berühmten Geläute zu hören. Ein Jahr überliefert die Rostower Glockenkunde dazu nicht.

Der Dorfpriester mit den selbstgebauten Stimmgabeln

Das ist die Geschichte, die aus einer schönen Sehenswürdigkeit etwas Einmaliges macht.

Erzpriester Aristarch Israilew war ein autodidaktischer Akustiker. Er fertigte Stimmgabeln von Hand, so präzise, dass er damit auf drei Weltausstellungen Medaillen gewann, und der Physiker Stoletow kaufte sein Messinstrument für die Moskauer Universität. Zehn dieser Stimmgabeln liegen bis heute im Museum.

1884 veröffentlichte er die dreizehn Rostower Glocken von damals samt Notenschrift ihrer Geläute. Es sind die einzigen erhaltenen vorrevolutionären Notationen dieser Musik. Rostow ist damit der einzige Glockenturm Russlands, dessen Klang im 19. Jahrhundert aufgeschrieben wurde. Die Geläute haben eigene Namen: Das Ioninsker und das Akimowsker sind überliefert.

1930 wurde das Läuten verboten.

Dass die alten Geläute trotzdem überlebten, liegt auch an den Tonaufnahmen von 1963 und 1966: Die Schallplatte mit den Rostower Geläuten ging um die Welt, und in Bondartschuks „Krieg und Frieden“ läuten die Rostower Glocken. Seit 1987 wird wieder regelmäßig geläutet.

Der Film, den in Russland jeder kennt

Leonid Gaidais Komödie „Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf“ von 1973 spielt angeblich im Moskauer Kreml. Gedreht wurde sie hier, die ganze Außenhandlung, vor allem die berühmte Verfolgungsjagd über Hof und Mauern.

Der Grund war schlicht: Der Moskauer Kreml war Sperrgebiet. Wer den Film kennt, erkennt in Rostow jede Ecke wieder. Die Mauer, über die am Ende geflohen wird, ist an der Sprungstelle in Wahrheit nur zweieinhalb Meter hoch. Dem Film hat das Museum inzwischen eine eigene kleine Ausstellung gewidmet.

Ein Tornado und ein See, dazu die Zwiebel

Am 24. August 1953 trafen gleich zwei Tornados die Stadt.

Ihre Schneise war 200 bis 500 Meter breit. Sie rissen die Kuppeln der Entschlafenskathedrale und der Glockenwand ab, und alle elf Kremltürme wurden beschädigt. Was heute so vollständig dasteht, verdankt sich der Restaurierung unter Wladimir Banige, die bis 1957 weitgehend abgeschlossen war.

Der Nero-See, an dem der Kreml steht, ist ein Relikt aus voreiszeitlicher Zeit. Er ist sehr flach, im Durchschnitt nur gut einen Meter tief, an der tiefsten Stelle keine vier, und sein Grund trägt eine Schicht jahrtausendealten organischen Schlamms, stellenweise über zwanzig Meter dick. Das ist ein außerordentlich guter Dünger, und deshalb wurde die Gegend ein Gemüsezentrum: Die Rostower Zwiebel war im Mittelalter Handelsgold.

Peter der Große erwog übrigens, auf dem Nero seine erste Übungsflotte bauen zu lassen. Der See war ihm zu flach, und so entstand das berühmte Boot schließlich auf dem Pleschtschejewo-See bei Pereslawl-Salesski.

Rostow ist nicht golden, sondern grau-silbrig. Die Kuppeln sind schuppig-silbern, nicht vergoldet. Bei Regen und tiefem Licht sieht die Stadt aus wie ein alter Kupferstich.

Finift

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist Rostow das Zentrum der russischen Emailmalerei. Die Miniatur entsteht mit Emailfarben auf einer emaillierten Kupferplatte, gemalt in vielen Schichten, und jede Schicht wird einzeln gebrannt. Daher die Tiefe und der Glanz, man nennt die Technik deshalb auch „Feuerschrift“. Die feinen filigranen Drahtfassungen, in denen die Plättchen heute stecken, kommen erst seit den sechziger Jahren dazu. Das Museum sitzt in der ehemaligen Gerichtskammer des Kreml und zeigt die größte Finift-Sammlung der Welt.

Drumherum: die Klöster

Am Seeufer, ein Stück außerhalb der Stadtmitte, steht das Spaso-Jakowlewski-Kloster. Hier ruht der heilige Dmitri von Rostow. Sein Grab wurde 1752 geöffnet. Die Überlieferung spricht von einem unversehrten Leichnam, und Graf Scheremetjew ließ darüber eine Kathedrale bauen. Vom Glockenturm hat man den schönsten Rostow-Blick überhaupt, über das Wasser auf den Kreml und seine silbernen Kuppeln.

Das Awraamjew-Kloster am Stadtrand gilt als das älteste Kloster der Stadt, der Überlieferung nach schon im 11. Jahrhundert gegründet. Seine Kathedrale von 1553 stammt von Iwan dem Schrecklichen.

Wer mobil ist, fährt fünfzehn Kilometer weiter zum Borisoglebski-Kloster: eine echte Klosterfestung mit Wehrmauern und Türmen, 1363 mit dem Segen des Sergius von Radonesch gegründet.

Wann und wie

Der Bahnhof heißt Ростов-Ярославский, nicht Rostow am Don. Buche bei einem Tagesausflug die passende Rückfahrt gleich mit. Kläre Glockenvorführungen und den Zugang zu den Mauerwegen beim Museum für den gewünschten Tag.

Die Suche und Buchung erläutert der Bahnratgeber.

Museum Rostower Kreml: rk1883@rostmuseum.ru, +7 48536 6 17 17. Nenne bei der Anfrage Datum, Personenzahl und gewünschte Ausstellung. Die Kontaktadresse ist nicht automatisch der Treffpunkt einer Führung.

Essen im Kreml: Das Museum nennt das Café „Trapesnaja palata“ mit Gebäck und Getränken. Gruppen können Mittagessen vorbestellen: +7 961 026 10 81. Bestätige das Angebot für deinen Besuch.

Mehr dazu

Meinen ausführlichen Bericht über die Stadt gibt es hier: Rostow Weliki: Ein Tag, der älter ist als die Stadt.

Redaktion, Anreisehinweise und Besuchskontakt geprüft am 6. September 2026; Kontaktquelle: russisches Museum beziehungsweise Museumsverzeichnis des Städtebunds. Für unveränderte historische Angaben gilt der oben genannte Quellenstand. Termine beim jeweiligen Veranstalter bestätigen.

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