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Zwei dunkle Pferde zwischen Birkenstämmen auf der Koppel des Pferdehofs Troizkoje

Troizkoje: Der Pferdehof, der mit wackligem Internet wirbt

4 Min. Lesezeit

Die beste Beschreibung des Ortes steht auf seiner eigenen Website, dort, wo der Hof Freiwillige sucht. Ein Fünf-Sterne-Hotel könne man nicht bieten, „aber frische Luft, Eier und Milch können wir versprechen”. Statt Spa gebe es Wald und Fluss, statt Fitness die Arbeit im Stall. Und dann der Satz, den keine Werbeagentur durchgewinkt hätte: „Ein unerwarteter Bonus: nicht sehr stabiles Internet!”

Wer so über sich selbst schreibt, hat es nicht nötig, etwas vorzumachen. Genau deshalb lohnt sich der Weg.

Ein junger Hof in einem alten Dorf

Das Dorf Troizkoje liegt im Gebiet Jaroslawl, eine halbe Autostunde von Uglitsch an der Wolga. Das Dorf ist alt, seine Geschichte beginnt im 15. Jahrhundert mit einem Dreifaltigkeitskloster, und die Dorfkirche geht auf das Jahr 1492 zurück. Sie steht fünf Gehminuten vom Hof und ist einen eigenen Besuch wert; warum, steht im Bericht über die Troizki-Kirche an der Ustje.

Der Pferdehof dagegen ist jung. Gegründet hat ihn 2019 Marija Andrejewa, Tierärztin und Züchterin von Sportpferden aus Moskau; im Sommer 2021 stand das erste Pferd im Stall. Heute laufen dir dort neben Pferden auch Ponys, ein Esel, Ziegen und sogar Kamele über den Weg, im Frühjahr 2026 kamen zwei Fohlen dazu. Streicheln und füttern ist ausdrücklich erwünscht, Möhren kommen immer gut an.

Die Traber vom geschlossenen Hippodrom

Die eigentliche Geschichte des Hofs beginnt aber in Moskau. Nach der Schließung des Zentralen Moskauer Hippodroms zogen 2023 die ersten Renntraber nach Troizkoje um, und mit ihnen eine komplette russische Troika. Der Hof schreibt, es sei die einzige eingefahrene Troika im ganzen Gebiet Jaroslawl.

Gefahren wird sie von Anna Rachmanina, die das Projekt heute leitet: Traber-Fahrerin vom Moskauer Hippodrom, zweifache russische Meisterin im Figurenfahren mit der Troika, gestartet auch in Finnland und auf dem Pariser Hippodrom von Vincennes. Sie führt selbst über den Hof. Die Orlow-Traber und das Dreigespann erklärt dir hier also jemand, der damit Meisterschaften gefahren ist.

Seit 2022 gehört ein kleines Museum des russischen Pferdes dazu: alte Kutschen und Schlitten, die Handharmonika der Postkutscher, dazu Teile des Archivs von Alla Polsunowa, einem der großen Namen des russischen Trabrennsports.

Reiten, fahren, führen lassen

Die Preise sind für westeuropäische Verhältnisse freundlich (Stand: August 2026):

WasPreis
Führung über den Hof mit Museum500 ₽, Kinder von 3 bis 14 Jahren 300 ₽
Reitstunde mit Instruktor1.500 ₽ für eine halbe Stunde
Ausritt mit Instruktor3.000 ₽ für eine Dreiviertelstunde
Fahrt in Kutsche oder Schlitten3.000 ₽ für eine halbe Stunde
Fahrt in der Troika15.000 ₽ für eine halbe Stunde

Zur Einordnung: 500 ₽ sind nach dem Kurs vom Sommer 2026 gut fünf Euro, und selbst die halbe Stunde Troika bleibt mit rund 170 Euro unter dem, was anderswo eine Stadtrundfahrt kostet.

Die Gegend gibt das Reiten her: Die Waldwege sind kilometerlang und sandig, und in den gefluteten Sandgruben der Umgebung schimmert das Wasser blau.

Einen eigenen Platz hat die Hippotherapie. Die Stute Lawanda ist dafür ausgebildet, eine Dreiviertelstunde kostet 2.000 ₽, und für Kinder mit Behinderung gibt es eine eigene Einzelführung mit Reiten für 1.000 ₽, nach Voranmeldung. Für Schulklassen und Kindergruppen ab fünf Kindern stehen Programme bereit, von der dressierten Ziegenherde über Ziegen-Trekking bis zum Hobby-Horsing.

Bleiben: Häuschen, Banja, Hofladen

Wer über Nacht bleibt, nimmt eines der A-Frame-Häuschen für vier Personen. Unter der Woche kostet die Nacht 10.000 ₽, am Wochenende 12.000 ₽; über Neujahr und Weihnachten sind es 15.000 ₽. Dazu buchst du die holzbeheizte Banja mit Tauchbottich, und für Feiern gibt es eine beheizte Laube mit Beamer und Miniküche; der Tee kommt dort aus einem echten Samowar.

Der Hofladen verkauft, was der Hof hergibt: Kuhmilch für 100 ₽ den Liter, Ziegenmilch für 200 ₽, dazu Quark sowie Butter, auch geschmolzen als Ghee, und Honig aus der Umgebung.

Und wer gar nicht mehr wegwill, meldet sich als Freiwilliger. Der Hof verspricht Verpflegung und bringt dir den Umgang mit Pferden bei, Unterkunft nach Absprache; Kinder nehmen sie nur zusammen mit den Eltern. Das Internet, siehe oben, ist Teil des Angebots.

Hinkommen, anmelden, verstehen

Die Basis für den Besuch ist Uglitsch, das alte Wolga-Städtchen 30 Kilometer weiter. Der Hof schreibt in Großbuchstaben auf seine Startseite, dass ein Bus aus Moskau und aus Uglitsch fährt; klär die Verbindung trotzdem bei der Anmeldung, ein Taxi ab Uglitsch ist die verlässliche Ersatzlösung.

Angemeldet wird sowieso. Auf der Website stehen je nach Unterseite zwei verschiedene Öffnungszeiten, und das nimmst du am besten als Hinweis, es nicht auf gut Glück zu versuchen: Schreib oder ruf vorher an, dann nimmt sich auch jemand Zeit. Das Gelände wird gegen Zecken behandelt, schreibt der Hof; für einen Ort am Waldrand ist das keine Nebensache.

Bleibt die Sprache. Auf dem Hof spricht man Russisch, die Website gibt es nur auf Russisch. Deutschsprachige Gäste sind dort bislang selten und werden entsprechend herzlich genommen; als ich im August 2026 dort war, war die Freude über deutschsprachigen Besuch ehrlich. Wenn du dich auf Russisch nicht anmelden magst: Stell mir deine Frage über das Formular unter diesem Beitrag, ich stelle den Kontakt zum Hof her und übersetze.

Bleibt noch zu sagen, wem ich diesen Tag verdanke: Organisiert hat die Reise die Golden Ring Union, der Verband der neun Städte des Goldenen Rings und seit diesem Sommer der ständige Kooperationspartner dieser Seite.

Website und Mailadresse stehen im Partnereintrag des Hofs, die aktuelle Preisliste auf konytroitckoe.ru.

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